Übermächtige Militärpräsenz in Tibet lähmt Einwohner
Zwei Tibeterinnen angeschossen
Lhasa – Peking – Frankfurt am Main (14. August 2008) – Auch fünf Monate nach den ersten Protesten in Tibet lässt die Überwachung der tibetischen Bevölkerung nicht nach, sondern wird fortwährend ausgebaut. Permanente und allgegenwärtige Militärpatrouillen und Ausweiskontrollen, tausende Überwachungskameras und versteckte Mikrophone auf den Straßen und an Orten des öffentlichen Lebens, sowie unzählige zivile Spitzel versetzen die tibetische Bevölkerung in einen Zustand des Schreckens.
Zwei junge Tibeterinnen wurden am 9. August von chinesischen Soldaten aus noch unbekannten Gründen angeschossen, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Lhasa, die Hauptstadt Tibets, befindet sich im Belagerungszustand: Eine übermächtige chinesische Militärpräsenz hält die Straßen und Plätze besetzt, willkürliche Ausweiskontrollen prägen das Bild. Diese sollen offiziell der Auffindung „krimineller Elementen“ in der Stadt dienen, denn noch immer werden zahlreiche Demonstranten der März-Unruhen von den chinesischen Sicherheitskräften gesucht. Nach Auffassung der IGFM bewirkt die ständige Überwachung aber zusätzlich, dass die Tibeter jeden Gedanken an eventuelle Demonstrationen während der Olympischen Spiele bei Seite schieben.
Schüsse auf Tibeter
Während in Peking am Samstag die Olympischen Spiele begonnen haben, fielen zwei junge Tibeterinnen, Sonam Wangmo (22) und Drang Yeyen (28), in der Präfektur Ngaba dem chinesischen Kontrollregime zum Opfer. Aus ungeklärten Gründen wurden die beiden Frauen um 16:30 Uhr Ortszeit von chinesischen Soldaten angeschossen. Die Tat scheint ein weiterer willkürlicher Gewaltakt zur Einschüchterung der tibetischen Bevölkerung zu sein, so die IGFM.
Peking: Chinesische Behörden ergreifen Hauskirchenpastor
Doch nicht nur die tibetische Bevölkerung wird systematisch unterdrückt. Auch die „nicht registrierten“ Christen in China werden während der Olympischen Spiele verstärkt verfolgt. Der Hauskirchenführer Hua Huiqi plante am Montag, den Gottesdienst der offiziell anerkannten protestantischen Kirche Kuanjie in Peking zu besuchen, an dem auch U.S.-Präsident George Bush teilnahm.
Als Hua und sein Bruder mit dem Fahrrad zu der Kirche fuhren, wurden sie plötzlich von chinesischen Polizisten verhaftet und in separaten Fahrzeugen zum Hof der Firma New World Development gefahren, auf dem sie festgehalten wurden. Gegen Mittag konnte Hua in einem Moment der Unaufmerksamkeit der Polizeibeamten fliehen. Sein Bruder wurde am Nachmittag frei gelassen. Durch die kurzfristige Verhaftung haben die chinesischen Behörden verhindert, dass Hua Huiqi in Kontakt mit Präsident Bush treten und ihm über die Lage der chinesischen Hauskirchen berichten konnte, erklärt die IGFM.
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